Pferdehandlung Bodenmüller seit mehr als 100 Jahren

Die Begründer der Pferdehandlung Bodenmüller, damals noch in Winterthur Veltheim gelegen, waren die Gebrüder Carl & Joseph Bodenmüller. Der eigentliche Initiant war Carl, denn die bis dahin schlecht und recht betriebene Fuhrhalterei sagte ihm nicht zu. Er wollte Pferdehandel betreiben, was bei seinem Bruder jedoch nicht auf Gegenliebe stiess. So beschloss er im Alter von 16 Jahren sein Bündel zu packen und sein Glück in der Ferne zu versuchen. Buchstäblich mit dem Wanderstock und dem daran gehängten Bündel stand er unter dem Tor, als die Mutter ihn bat zu bleiben. Sie konnte den Bruder überzeugen das Wagnis einzugehen, ein neues Geschäft zu gründen.

Carl posiert in Uniform, Zürich ca. 1925.jpeg

Carl

Zürich 1925


1.    Generation, Carl & Joseph

Die im Jahre 1906 in die Tat umgesetzte Idee wurde zum Erfolgsrezept. Schon bald war Joseph nur für den Einkauf unterwegs. Oftmals im Kanton Bern, wo er bei den Bauern junge Pferde suchte für die Arbeit vor dem Wagen oder in der Landwirtschaft. Carl Bodenmüller widmete sich dem Verkauf der Pferde, die sein Bruder anlieferte. Kunden waren vor allem Landwirte, aber auch Fuhrhalter. Später wurde namentlich für Brauereien das Angebot mit schweren Kaltblütern aus dem Ausland ergänzt.

Joseph beim Einkauf in Belgien, ca 1935.jpeg

Joseph beim Einkauf

Belgien ca. 1935


2.    Generation, Karl & Hans

Carl Bodenmüller hinterliess die zwei Söhne Karl und Hans, welche beide Pferdenarren waren. Sie wuchsen in  die Zeit hinein, in welcher das Reiten seinen Aufschwung nahm, nicht länger dem Militär oder der sozialen Elite vorbehalten blieb und sich dementsprechend die Nachfrage nach dem Pferdetyp änderte. Die Autos verdrängten mehr und mehr die Wagenpferde. Karl konzentrierte sich auf den grossen Springsport. Er ritt selber international und war später auch als Equipenchef und im Verband als Chef Springen tätig.

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Karl mit Elberfeld

CSI St. Gallen

Hans Bodenmüller übernahm 1952 die Pferdehandlung seines Vaters. Er widmete sich der Ausbildung und dem Verkauf von jungen Sportpferden aller Sparten. Natürlich wurde auch der wachsenden Nachfrage an Freizeitpferden Rechnung getragen. Das Verdienst von Hans Bodenmüller ist der Umzug von der Stadt aufs Land. In seiner Weitsicht gelang es ihm 1965 vor den Toren Winterthurs, ausserhalb von Aesch, eine Stallung mit Reithalle mitten im Grünen zu errichten.


3.    Generation, Jörg

Der nächsten Generation entspross nur ein Nachkomme. Auch dieser verschrieb sich den Pferden. Jörg Bodenmüller studierte Veterinärmedizin und konzentrierte sich dabei wiederum aufs Pferd.  Daneben absolvierte er die neu entstandene Berufsreiter-Ausbildung bis zum dipl. Reitlehrer. Er half dem Vater bei der Ausbildung der Pferde und präsentierte sie an Prüfungen, zunächst vorwiegend im Springen bis in die höchsten Kategorien. Später widmete er sich der Vielseitigkeitsreiterei, wo er international Akzente setzte.

Jörg mit Oreé de la Brassrie 1994 in Burghley.jpeg

Jörg mit Oreé de la Brasserie

Burghley 1994

Auf der Reitanlage war er mit seiner Frau Esther Vorreiter für eine Umstrukturierung im Sinne der modernen Erkenntnisse im Bereich der Pferdehaltung, Sie schafften es im bestehenden Stallkonzept 33 Boxen mit einem direkten Auslauf zu ergänzen. Unter ihnen entstanden auf der Anlage auch zahlreiche Naturhindernisse, Führanlage, Longierzirkel und ein riesiger, ½ Hektar grosser Sandplatz.

Sogar die Pferdezucht hielt in dieser Phase Einzug in die Firma, der Stall präsentierte den Vollblüter und Sieger des NZ-Derby Big Cavallieri XX, der vorwiegend in Deutschland deckte. Er war im Besitz von Esther, erzielte Siege und gute Klassierungen in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Er war in Avenches Sieger der Hengstkörung für Warmblutpferde.

Eveline auf dem  ehemaligen Rennpferd, NZ-Derby-Sieger und Zuchthengst Big Cavalieri, Aesch 2001.jpg

Eveline mit Cavalieri XX

Aesch bei Neftenbach 2001


4.    Generation, Manuela, Eveline & Mathias

Auch die Nachkommen von Jörg verschrieben sich den Pferden. Die beiden Mädchen Manuela und Eveline brachten es in der Sparte Military zu diversen Medaillen und Ehrungen. Manuela beendete ihre Internationale Karriere schnell wieder und wurde stolze Mama von einem Sohn. Für Eveline jedoch war dies der Start. Nach diversen EM- und WM- Teilnahmen verpasste sie leider ihr Hauptziel, die Olympischen Sommerspiele in Rio 2016. Vier Jahre später konnte Sie sich für Tokyo 2020 (im Einzel und Team) qualifizieren.

Zum eigentlichen Horse Professional wurde Mathias. Nach abgeschlossener Berufslehre, Pferdeerfahrung in Australien und weiteren Fortbildungen übernahm er am 1. Nov. 2013 den Reit-, Pensions- & Handelsstall Bodenmüller. Er sah es als seine Aufgabe ein modern konzipiertes Ausbildungszentrum aufzubauen mit Schwergewicht Springen & Vielseitigkeit sowie gepflegter Freizeitreiterei. Als Kaufinteressent, Reitschüler, Pensionsnehmer und auch als Ausbildungspferd sollte man sich bei ihm wohl fühlen. Das Reiten darf sportliche Ambitionen erfüllen, es soll aber auch Spass bereiten. In diesem Sinne erweiterte er das bereits grosse Infrastrukturangebot, Kundenwünsche wurden weit möglichst berücksichtigt. Der Betrieb wurde durch sein Know-how und seine neuen Ideen geprägt.

Am 31. März 2020 ging die Aera Bodenmüller auf der Reitsportanlage im Buck zu Ende. Die von Hans gebaute Anlage und den von Mathias geführte Betrieb, wurde von Jörg verkauft. Nicht wie geplant in die 4. Generation, sondern an einen externen Käufer.

Was die Zukunft bringen wird ist noch offen. Das Jahr 2020 ist jedoch für die 4. Generation Pferdetechnisch eine Katastrophe. Eveline konnte sich mit Violine de la Brasserie für die Olympischen Spiele in Tokyo qualifizieren, diese mussten aber wegen Corona abgesagt. Mathias und seine Frau Nicole haben die Reitsportanlage im Buck für immer verlassen.